Heavy Rain – Ein erzählerisches Spektakel

Erst einmal vorweg: Hier wird es keine Spoiler geben. Keine Sorge! Gerade bei diesem Spiel sind viele Details im Spielverlauf sehr wichtig für das erzählerische Erlebnis und man muss aufpassen, dass man nicht aus Versehen liest, wie die Geschichte ausgeht.

(Man sagte mir im Zuge meiner Diplomarbeit, dass ich ein Komma-Geizhals bin. Dies sei mir bitte verziehen)

Als mein Urlaub begonnen hatte, juckte mich auf einmal dieses Heavy Rain von dem jeder sprach. Und dann tat ich etwas, was ich selten tue: Ich ging zum Media Markt! Und ja, ich kaufte ein Spiel beim Media Markt. Media Markt hat mich allerdings nicht mit rotem Teppich empfangen, weshalb ich dann beim nächsten Mal doch wieder meine üblichen Bezugsquellen wie Amazon bevorzugen werde. Whatever… 59 Takken für das Spiel geblecht.

Aber was kann man von diesem Spiel erwarten? Wer Fahrenheit kennt, wird auch recht genau wissen, was ihn mit Heavy Rain erwartet. Also ein interaktiver Film, bei dem es, unterstützt von Eingaben des Zuschauers auf dem Joystick, Möglichkeiten zum Verändern der Handlung gibt. Der Hersteller wirbt mit 22 verschiedenen Enden. Wobei ich das nicht überbewerten würde. Die Geschichte ist ähnlich wie ein Krimi. Wenn man die Lösung eines Krimis kennt, ist meistens auch der „Wiederlesewert“ gesunken. Es sei denn man ist scharf drauf jedes kleinste Detail zu erkennen und zu vor allem zu finden. Jedoch bezweifle ich, dass das bei Heavy Rain auch zutrifft.

Bei Heavy Rain schlüpft man in die Rolle von vier Protagonisten, die alle auf der Suche nach dem Origami-Killer sind: Ein Privatdetektiv, ein FBI-Agent, ein Vater und eine junge Frau (hier will ich nicht mehr sagen). Die Handlungsstränge dieser vier Charaktere kreuzen und beeinflussen sich gegenseitig. Man spielt sie nämlich abwechselnd. Aber auch hier gilt, man kann nicht so viel Einfluss auf die Handlung erwarten, wie man sich vielleicht erhofft.

Heavy Rain ist nicht wirklich ein Spiel. Die Handlungsmöglichkeiten sind eher beschränkt. Man läuft von Punkt A nach B und genau genommen handelt man nur nach Skript. Und zwar nach Skript des Regisseurs. Man hat jedoch ein klein wenig Einfluss auf den Charakter. Wenn er/sie in Gesprächen sich an die Wand lehnt, aus dem Fenster schaut oder einfach nur im Zimmer herum läuft. Wesentlich größeren Einfluss hat man auf die Dialoge. So geht es bspw. in einer Situation darum ein Opfer des Killers zu befragen. Wenn man die richtigen Punkte anspricht (die man mit dem Joypad wählen kann), dann wird das Opfer reden. Wenn man falsch an die Sache ran geht, wird man vor die Tür befördert. Das ganze hat dann leider auf den Verlauf der Geschichte kaum Einfluss. Aber man kann so evtl. ein paar Details erfahren, die den Spielverlauf gedanklich anders gestalten.

Das nächste spielerische Element sind so genannte „Quick Time Events“ (QTE). Diese Elemente wurden schon in Fahrenheit verwendet, aber sind auch aus Spielen wie bspw. God of War bekannt. Bei QTEs geht es darum schnellst möglich die richtige (am Bildschirm angezeigte) Taste zu drücken. Andernfalls stirbt der Charakter oder die entsprechende Situation geht anders aus. Solche Events gibt es Heavy Rain auch einige. Sie sind nur nicht sonderlich schwer. Selbst auf der höchsten Schwierigkeitsstufe wird man wohl kaum seinem Charakter beim Sterben zuschauen. Hier hätte man vielleicht noch mehr Pepp einbauen können, so dass die Geschichte auch unbewusst beeinflusst wird, weil man der Situation (QTE) nicht gewachsen war. Das führt mich zu einem weiteren Aspekt: Wenn einer dieser vier Protagonisten stirbt, wird die Geschichte weiter gespielt. Allerdings ohne diesen Charakter. Auf Grund des nicht vorhandenen Schwierigkeitsgrad ist mir das nicht passiert. Weshalb ich nur von der Theorie sprechen kann.

Trocken betrachtet: Klingt alles nicht so spannend. Spielerisch gibt das Spiel nicht so viel her und der Name Spiel ist nicht wirklich die richtige Bezeichnung. Aber spricht man von der Unterhaltung würde ich sofort sagen: „Großes Kino!“ – Ja, das Spiel ist wirklich spannend und unterhaltsam. Das was so manchem Videospiel fehlt, nämlich eine gute Geschichte, kann Heavy Rain voll und ganz bieten. Es ist ein Horror-Thriller oder nur Thriller, der einen bis zur letzten Minute fesselt und man hat ca. 8-12 Stunden Freude an diesem interaktiven Krimi. Gerade schon deshalb uneingeschränkte Kaufempfehlung. Wobei für einmal Durchspielen meines Erachtens 60 Euro ein wenig zu viel sind. Aber vielleicht gibt es ja auch geduldigere Gemüter als ich es bin, die sich gerne ein zweites Mal dran setzen.

Leider gibt es ein paar technische Mängel. Die Grafik ist super! Zweifelsohne. Vor allem die Gesichter der Protagonisten im Ladebildschirm. Weltklasse. Jedoch gibt es etliche Clipping-Fehler und Tearing-Effekte. Und was noch viel ärgerlicher ist: Sound-Aussetzer. Zu Beginn des Spiels (als einziges Extrembeispiel) sogar einen asynchronen Part von 10 Sekunden (Stimme und Bild um 10 Sekunden versetzt). Der Patch 1.01 hatte bei mir keine Abhilfe getan. Und das witzige/traurige an der Sache… auf jeder Konsole ist das wieder eine andere Sache. So haben manche Konsolen keine Probleme und manche eben schon.

Als Fazit: Ein super Video(film)spektakel. Absolute Kaufempfehlung, aber auch uneingeschränkte Verkaufempfehlung. Wenn man es mal ruhiger angehen lassen will und sich mal etwas passiv unterhalten lassen will, ist Heavy Rain sicher das Richtige. Und auch ältere Herrschaften könnten evtl. an diesem Spiel, das eigentlich kein Spiel ist, Gefallen finden.

3 Gedanken zu „Heavy Rain – Ein erzählerisches Spektakel

  1. so selbst gespielt und begeistert!
    ich bin wirklich sehr angetan von diesem spiel auch wenn es wirklich ein wenig teuer und leider etwas kurz geraten ist. doch selbst meine mutter (56) hat mir als zocker eendlich einmal zugestimmt, dass es auch gute spiele gibt =P
    ich fänds schön wenn man noch mehr einfluss nehmen könnte und wenn handlung sich mehr verändern würde nach bestimmten situationen aber trotzdem klasse spiel=)

  2. Danke für den schönen Kommentar.

    Ja bezogen auf die Spielzeit ist es ein wenig „teuer“. Aber ob groß oder klein bzw. alter oder jung… Ich denke viele Generationen können an solchen Spielen Gefallen finden.

    Aber wie auch Du, fand ich es schade, dass man recht wenig Einfluss auf den Spielverlauf nehmen kann. Selbst die möglichen Enden sind alle recht ähnlich. Der Mehraufwand für ein komplexeres Spiel ist, meiner Meinung, fast nicht mehr finanzierbar. Aber man wird sehen, was die Zukunft bringt.

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